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Weiter behauptet der Duden, dass sollen dann steht, wenn
die fordernde Instanz implizit oder explizit genannt wird.
Auch dieser Aussage ist nicht zuzustimmen. Auch wenn eine
fordernde Instanz genannt ist, bzw. diese implizit bekannt
ist, steht müssen, wenn die fordernde Instanz so
mächtig ist, dass sie jeden Handlungsspielraum unterbinden
kann.
| Auf Seite
98 finden wir im Duden (Grammatik, Mannheim, 1995)
hierzu folgendes Beispiel. |
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Hunde sollen an der Leine geführt
werden.
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Es wird argumentiert, dass hier sollen
stehen könne, weil sich der Satz überführen
lasse in einen Satz dieser Art
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Der Stadtrat will, dass Hunde an
der Leine geführt werden.
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und somit eine fordernde Instanz implizit vorhanden sei.
Da dies der Fall sei, könne
sollen verwendet werden. Was die implizit vorhandene
Instanz betrifft, ist dem zuzustimmen, nicht aber was
die Verwendung von sollen betrifft.
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Hunde müssen draußen bleiben.
Hunde müssen an der Leine geführt
werden.
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| Wir verdeutlichen
den Zusammenhang nochmal an einem anderen Beispiel.
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(1) Der Richter sagt, er muss für
fünf Jahre ins Gefängnis.
(2) Der Richter sagt, dass seine Frau (die
des Richters!) aufhören soll, ständig
Klamotten zu kaufen, die sie nie anzieht.
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Im ersten Satz ist es zwar der Richter, der es sagt,
aber er ist lediglich das Sprachrohr des Gesetzes, einer
Instanz, die keinen Handlungsspielraum zulässt.
Im zweiten Satz ist es der Richter selbst, der eine
Forderung stellt, in diesem Fall steht sollen. Sollen
betont also die Forderung einer Person, müssen
die Alternativlosigkeit.
Die Frage, ob eine fordernde Person vorhanden ist,
ist hier irrelevant. Entscheidend ist der Handlungsspielraum,
der tatsächlich vorhanden ist. Der Autor hat
das Schild Hunde müssen
draußen
bleiben schon sehr oft gesehen. Ein Schild Hunde
sollen draußen bleiben hat er noch nie
gesehen. Bei sollen schwingt immer mit, dass es Alternativen
gibt. Wenn man Gesetze nur befolgen soll, ist das
so
ähnlich wie zu sagen man sollte sie verfolgen,
aber man kann es auch lassen. Eine Sicht der Dinge, die
zwar ab und zu durchaus sympathisch ist (Sie
sollten Ihre Steuererklärung machen, können
es aber auch lassen. Sie sollten sich ummelden,
wenn Sie den Wohnsitz ändern, können es
aber auch lassen. Sie sollen nie Beamte beleidigen,
können
es aber tun, wenn Ihnen danach ist), die der
Gesetzgeber aber leider selten teilt. Gesetze werden
wohl im Deutschen allgemein als eine Kraft empfunden,
die ähnlich mächtig ist wie ein Naturgesetz,
die keinen Handlungsspielraum zulässt.
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Ich muss
noch meine Steuererklärung machen.
nicht: Ich
soll noch
meine Steuererklärung machen.
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| Beispiel
mit Naturereigniss |
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Es war so heiß, dass alle Pflanzen
verdorren mussten.
nicht: Es
war so heiß, dass alle Pflanzen verdorren
sollten.
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Ob Gesetz oder logische Konsequenz ist egal. Beide erzwingen ein Verhalten. Es
muss (!)
müssen heißen.
Auch diese Sätze könnten nach der
Duden Logik transformiert werden: Das Finanzamt meint,
dass die Steuererklärung gemacht wird. Folglich
könnte man auch hier argumentieren, dass man
auch so was sagen könnte: Ich
soll noch meine Steuererklärung machen.
Das kann man aber tatsächlich nicht sagen. Bedauerlicherweise
soll man sie nicht
machen, man muss sie
machen.
Im Spanischen wie im Deutschen steht müssen, wenn
der Fordernde lediglich als Stellvertreter einer mit
Macht ausgestatteten Instanz spricht und sollen, wenn
er lediglich in seinem eigenen Namen spricht, bzw. nicht
in der Lage ist, den Handlungsspielraum vollkommen einzugrenzen.
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