Spanisch lernen - Spanisch online Lehrbuch
Inhaltsverzeichnis Kapitel 26 26 Nicht reflexiver Gebrauch der Reflexivpronomen, ...

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Kapitel 25.1.4.1: Möglichkeiten der Übertragung eines expletiven ...

  26.1.4.1 Möglichkeiten der Übertragung eines expletiven Dativs ins Deutsche

   1) Die Konstruktion kann problemlos ins Deutsche übertragen werden.
  ¡No me lo rompas!
Mach mir das nicht kaputt!

¡El niño se me va a caer del balcón!
Der Junge fällt mir noch vom Balkon!

expletiver dativus ethicus. Kann übertragen werden.

   2) Die Konstruktion kann ins Deutsche übertragen werden, wird "intuitiv" verstanden, ist aber     stilistisch nicht einwandfrei.
  Salúdame a tu mujer.
Grüße mir deine Frau. (vielleicht günstiger: Grüße deine Frau von mir.)
=> expletiver dativus ethicus: Kann übertragen werden, stilistisch unsicher.

Cada rato se le rompe algo.
Ihm geht ständig was kaputt. (vielleicht günstiger: Andauernd geht bei bei ihm was kaputt.)
=> notwendiger dativus possessivus: Kann übertragen werden, stilistisch unsicher.

[Stilistisch problematisch oder nicht, "Ihm geht ständig was kaputt", ist eigentlich die beste Lösung. Es ist ja nicht so, dass er selbst ständig was kaputt macht, noch dass er selber ständig kaputt geht. Er hat nur Pech und deswegen hat er ständig Probleme.]

Bemerkung zum dativus possessivus: Algo ist Subjekt, dieses Subjekt geht kaputt. Dieses Subjekt gehört aber dem Dativ, le / ihm.

   3) Das Dativ Pronomen kann überhaupt nicht ins Deutsche übertragen werden
    und wird schlicht weggelassen.
  Ya se le pasará.
Da wird er darüber hinwegkommen.
(~ Das wird ihm vorübergehen.)
=> notwendiger dativus ethicus: Kann nicht übertragen werden.

Es herrscht in der allgemeinen Diskussion über dieses Thema, sei es in Büchern oder im Internet eine begriffliche Verwirrung. Die begriffliche Verwirrung hängt damit zusammen, dass sowohl der dativus ethicus / dativus possessivus wie auch die nicht reflexiven Reflexivpronomen unter dem gemeinsamen Begriff "expletiv" subsummiert werden. Hierbei wird nicht klar erkannt, dass zumindest der dativus ethiscus und der dativs possessivus zwar "expletiv" sein KÖNNEN, dies aber keineswegs IMMER der Fall ist. Das führt zu gleich zwei Problemen. Erstens ist der Begriff expletiv unscharf. Gemeint ist damit in der Regel, dass das expletive Pronomen wegfallen kann und der Satz syntaktisch immer noch richtig ist. Wir erwähnten bereits, dass diese Definition nur sinnig ist, wenn sich die Aussage des Satzes nicht ändert. Irgendwas kann man in einem Satz nämlich immer weglassen ohne die grammatikalische Korrektheit zu gefährden. Schwieriger wird es, etwas wegzulassen, ohne dass sich der Sinne eines Satzes verändert. Eine andere Definition stellt darauf ab, dass ein expletives Pronomen lediglich eine grammatikalische Funktion erfüllt, aber inhaltlich keine Informationen liefert. Expletiv wäre dann zum Beispiel das "es" in "es schneit".

Beispiele wo beide Kriterien zutreffen, es sich also um einen expletiven Dativ handelt, wären.


   Beispiel
  expletiver Dativ (dativus possessivus): Du zerstörst mir mein Leben. <=> Du zerstörst mein Leben.
expletiver Dativ (dativus ethicus): Mach mir ja nichts kaputt. <=> Mach es ja nicht kaputt.

Expletiv im Sinne von "überflüssig" ist hierbei aber auch relativ. Das gleiche Reflexivpronomen im Dativ kann in einem bestimmten Kontext expletiv sein, in einem anderen aber nicht. "Denken" / "sich denken" und "überlegen" / "sich überlegen" ist manchmal das gleiche, manchmal aber auch nicht. Lässt man in den Sätzen unten das "sich" weg, ist der Satz eigentlich falsch oder zumindest stilistisch grenzwertig.

   Beispiel
  a) nicht reflexives Reflexivpronomen: Er hat es sich gedacht. <=> Er hat es gedacht.
a) nicht reflexives Reflexivpronomen: Er hat es sich überlegt. <=> Er hat es überlegt.

In diesem Fall ist der Satz zwar ohne reflexives Reflexivpronomen stilistisch grenzwertig, aber wer will, kann es als "expletiv" ansehen.

Im Zusammenhang mit dem Verb denken allerdings ändert sich die Situation. Denken mit Reflexiprononen (im Dativ!) bedeutet die geistige Antizipation eines Vorganges. Ohne Reflexivpronomen bedeutet es schlicht glauben.


   Beispiel
  aa) Ich dachte mir schon, dass sie zu spät kommen würden.
bb) Ich dachte schon, dass sie zu spät kommen würden.

Bei aa) wird ein Vorgang mental antizipiert. Sie sind dann auch tatsächlich zu spät gekommen. Bei bb) wurde lediglich etwas angenommen, tatsächlich sind sie aber nicht zu spät gekommen. Im Einzelfall kann man also das Reflexipronomen weglassen, der Satz ist dann vielleicht stilistisch Murks, aber semantisch nicht verändert (a). Bei anderen Sätzen geht es dann aber eben nicht. Das heißt das Wort "expletiv" ist etwas nichtssagend, weil unklar ist, was die Aussage "kann weggelasssen werden" konkret bedeutet. Die Bandbreite reicht von "kann problemlos wegfallen" über "stilistisch fragwürdig" und / oder "die Aussage wird modifiziert" zu "die Aussage des Satzes wird radikal verändert". Jenseits der beiden Extreme, kann sich im Grunde jeder aussuchen, ob er das Pronomen als expletiv, also lediglich die Kernaussage des Satzes modifizierend, oder als essentiell betrachtet. Die Aussage macht im Deutschen so wenig Sinn wie ähnlich lautende im Spanischen.

A veces se sitúa un pronombre innecesario o expletivo para señalar el especial interés que se toma su referente por la acción: "Él solito se comió un pollo entero". Podría decirse "Él solito comió un pollo entero", pero la frase pierde fuerza y expresividad; por tanto se trata de un uso meramente enfático y en realidad no se trata de una clase de pronombres definida.

Manchmal wird ein unnötiges oder expletives Pronomen eingefügt um die besondere Bedeutung der durch das Verb beschriebenen Tätigkeit für das Subjekt der Handlung zu unterstreichen: "Gewöhnlich aß er allein schon ein ganzes Huhn". Man könnte auch sagen "Gewöhnlich aß er ein ganzes Huhn", aber der Satz würde dann an Kraft und Ausdrucksstärke verlieren. Hier dient also das Personalpronomen allein der Unterstreichung, aber es handelt sich nicht um eine bestimmte abgegrenzte Klasse von Pronomen.

aus: http://es.wikibooks.org

Wenn wir uns das bislang Gesagte nochmals vor Augen führen, erkennen wir, dass diese Definition so unsinnig ist, wie ihre zahlreich vorhanden deutschen Pendants. Nicht reflexive Reflexivpronomen umfassen ein breites Spektrum. Mit den Details werden wir uns noch befassen, aber wir können jetzt schon die unterschiedlichsten Formen unterscheiden.


   Beispiel
  a) Nicht reflexive Reflexivpronomen können grammatikalisch zwingend sein, wenn das Verb nur reflexiv existiert: comportarse / sich benehmen, arrepentirse / bereuen etc.
  b) Die reflexive Form eines Verbes kann sich von der Form ohne nicht reflexives Reflexivpronomenen deutlich unterscheiden: llamar / rufen <=> llamarse / heißen, burlar / täuschen (jemanden) <=> burlarse / verhöhnen, quedar / übrigbleiben <=> quedarse / bleiben.
  c) Die reflexive Form eines Verbes kann sich von der Form ohne nicht reflexives Reflexivpronomen in einer Nuance unterscheiden (siehe unten): comer / comerse => essen, esperar / esperarse => warten.

Der Begriff expletiv macht hier wenig Sinn und noch weniger gibt es ein Kriterium, das es uns erlauben würde, eine Gruppe expletiver Pronomen zu bilden, weil es tatsächlich alles gibt. Die nicht reflexiven Reflexivpronomen können grammatikalisch notwendig sein, ohne jedoch einen semantischen Wert zu haben, sie können dann nicht weggelassen werden:
Er befand sich in Paris. <=> Er befand in Paris.

Die nicht reflexiven Reflexivpronomen können zwar grammatikalisch nicht notwenig sein, jedoch eine entscheidende Nuance zum Ausdruck bringen, auch dann kann man sie nicht ohne weiteres weglassen:
Die Idee hat sich überlebt. <=> Die Idee hat überlebt.

Expletive Reflexivpronomen, die tatsächlich den oben genannten Kriterien entsprechen, gibt es. Zweifel bestehen jedoch daran, ob es irgendeinen Sinn macht, diese zu einer Gruppe zusammenzufassen. Problematisch ist dieser Begriff insbesondere deswegen, weil oft expletive Pronomen mit nicht reflexiven Reflexivpronomen und dem ethischen Dativ gleichgesetzt werden. Das führt dann zu mehr Verwirrung als Klarheit. Man kann sich klar machen, dass es tatsächlich Pronomen gibt, die weder grammatikalisch notwendig sind noch irgendeinen semantischen Wert haben. Diese Gruppe ist aber relativ klein und insbesondere ist die Gleichsetzung irreführend.

Was die expletiven Reflexivpronomen im Dativ angeht, stellen sich drei Fragen und Probleme.

 

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