Die Grundbedeutung von empeñarse ist "auf etwas drängen", "beharren". Bei einer Konstruktion vom Typ "empeñarse en + infinitivo" behält also das konjugierte Verb, also empeñarse, seine grundsätzliche Bedeutung. Bezeichnet man diese Konstruktion als Verbalperiphrase, dann ist auch "auf etwas beharren" eine Verbalperiphrase.

Beispiel
Se empeño en hacerlo.
Er beharrte darauf, es zu tun.

Etwas undurchsichtig ist hier, das haben wir schon oft gesehen, der erweiterte Infinitiv mit zu. Der einfache Infinitiv ist im Deutschen nur in Ausnahmen möglich.

in Verbindung mit Modalverben
Ich will etwas sagen.
in Verbindung mit Sinneswahrnehmungen
Ich höre ihn reden.
in Verbindung mit lassen und bleiben
Er lässt ihn ausreden. Er bleibt sitzen.
in Verbindung mit werden
Er wird kommen.

Das Problem bei solchen formalen Beschreibungen haben wir oben bereits erörtert. Solche formalen Beschreibungen erklären nichts. Sie erklären insbesondere nicht die "innere Dynamik" einer Sprache, also konkret, warum das Deutsche, bis auf die wenigen Ausnahmen oben, einen Infinitiv immer mit "zu" anschließt, eine Konstruktion, die tatsächlich nur das Deutsche kennt, in allen anderen Sprachen wird schlicht der Infinitiv angeschlossen, oft über eine Präposition. Die Beispiele unten zeigen, dass der Anschluss eines Infinitivs auch im Spanischen schwankt. Manchmal wird der Infinitiv gleich angeschlossen wie das Substantiv, manchmal wird der Infinitiv mit einer anderen Präposition angeschlossen als das Substantiv, manchmal werden sowohl der Infinitiv wie auch das Substantiv ohne Präposition angeschlossen, manchmal wird das Substantiv über eine Präposition angeschlossen, nicht aber der Infinitiv. Interessant ist hierbei noch das Englische. Im Englischen ist oft, wenn auch nicht immer, ein gerund (der tatsächlich von der Funktion her mit dem lateinischen Gerundium vergleichbar ist, wohingegen das Spanische gerundio dem lateinischen Gerundium NICHT entspricht, denn das spanische gerundio ist eben KEIN Verbalsubstantiv sondern ein Adverb) das infinite Verb, das tatsächlich immer ein Verbalsubstantiv ist.

Me acordé de él.
Deutsch <=> Ich erinnere mich an ihn.
Englisch <=> I remember him.
Persisch <=> Ura be khater miavaram.
Me acordé de haberlo visto.
Deutsch <=> Ich erinnere mich, es gesehen zu haben.
Englisch <=> I remember having seen him.
Persisch <=> Jadam miayad ke ura did'am.
Me gusta la casa.
Deutsch <=> Das Haus gefällt mir.
Englisch <=> I like the house.
Persisch <=> In khanera dust daram.
Me gusta cocinar.
Deutsch <=> Ich koche gerne. (Ich liebe es zu kochen.)
Englisch <=> I like cooking.
Persisch <=> Man ghasa pokhtanra dust daram. (Infinitiv dekliniert!)
Volví a Madrid.
Deutsch <=> Ich bin nach Madrid zurückgekehrt.
Englisch <=> I returned to Madrid.
Persisch <=> Man be Madrid bargashtam.
Volví a verla.
Deutsch <=> Ich habe sie wiedergesehen.
Englisch <=> I saw her again.
Persisch <=> Man ura dobare didam.
Seguimos a Juán.
Deutsch <=> Wir folgten Juan.
Englisch <=> We followed Juan.
Persisch <=> Ma donbale Juán raftim.
Seguimos a comer.
Deutsch <=> Wir aßen weiter.
Englisch <=> We continue to eat.
Persisch <=> Ma be ghaza chordan edame dadim. (dativ)
Aprendemos inglés.
Deutsch <=> Wir lernen Englisch.
Englisch <=> We learn English.
Persisch <=> Ma englesi jad migirim.
Aprendemos a bailar.
Deutsch <=> Wir lernen tanzen.
Englisch <=> We learn to dance.
Persisch <=> Ma raghsidan jad migirim.
Pienso en ella.
Deutsch <=> Ich denke an sie.
Englisch <=> I think about her.
Persisch <=> Man be u fekr mikonam.
Pienso en ella.
Deutsch <=> Ich gedenke es zu tun.
Englisch <=> I am going to do it.
Persisch <=> Man in kara khaham kard.

Der Autor gibt offen zu, dass er jetzt intellektuell etwas überfordert ist. Es ist offensichtlich, dass es für dieses scheinbar simple und sehr alltägliche Problem keine festen Regeln gibt. Der Anschluss eines Infinitivs folgt innerhalb einer Sprache nicht immer dem gleichen Muster und insbesondere gibt es kein einheitliches Schema für die Übertragung eines angeschlossenen Infinitivs von der einen in eine andere Sprache. Das Persische schießt hierbei noch den Vogel ab, es dekliniert manchmal den Infinitiv (Man ghasa pokhtan<> dust daram), gibt allzu zu erkennen, dass es eine gewissen Nähe zum Substantiv sieht. Das Englische hat hier gewisse Ähnlichkeiten mit dem Deutschen (Anschluss eines Infinitivs manchmal auch ohne to "He helps her clean the house", "I want him to do that"), kennt also so etwas wie einen erweiterten Infinitiv mit zu, auch wenn im Englischen das zu / to zum Infinitiv gehört. Allerdings besitzt das Englische einen gerund,der im Gegensatz zum spanischen gerundio ein Verbalsubstantiv ist und damit mit dem Infinitiv konkurriert, was zu einer wieder anderen inneren Dynamik führt (siehe Gerundium / Infinitiv und folgende).

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Tendenziell kann man wohl sagen, dass immer dann, wenn die außersprachliche Wirklichkeit eine Struktur hat, diese Struktur sich auch in der Sprache abbildet und diese Strukturen sich regelhaft von der einen in die andere Sprache übertragen lassen. Bedingungssätze zum Beispiel bilden die außersprachliche Wirklichkeit strukturell ab, von daher sind sie auch regelhaft von der einen in die andere Sprache übertragbar.

Eine Bedingung kann wahrscheinlich sein: Wenn er Geld hat, kauft er sich ein Auto. Eine Bedingung kann eher unwahrscheinlich sein: Wenn er Geld hätte, würde er sich ein Auto kaufen. Eine Bedingung kann definitiv nicht vorliegen: Wenn er Geld gehabt hätte, hätte er sich ein Auto gekauft.

Im Einzelnen haben wir das x-Mal beschrieben, für das Spanische, Französische, Italienischen, Englischen, Deutsch etc.. Ähnliches gilt für das Zeitensystem oder den subjuntivo. Es gibt grammatikalische Regeln, die durch die Wirklichkeit selbst determiniert sind. In diesem Falle konstruieren alle Sprachen strukturell ähnlich.

Wir können drei Situationen unterscheiden.

1) Es besteht ein Bezug zur außersprachlichen Wirklichkeit, die Strukturiertheit der außersprachlichen Wirklichkeit schlägt auf die Grammatik durch. Dies ist zum Beispiel bei den Themenkomplexen subjuntivo / Konjunktiv, irreale Bedingungssätze, Zeitensystem, indirekte Rede so. Der Autor würde aber bezweifeln, dass von den strukturellen Unterschieden in der sprachlichen Erfassung der Welt auf eine strukturell andere Wahrnehmung der Welt geschlossen werden kann. Dies war quer durch alle Lehrbücher immer wieder Thema. Das das Deutsche, genauer gesagt Menschen, deren Muttersprache Deutsch ist, sich in Bezug auf die subjektive Wahrnehmung der Welt vom Französischen, genauer gesagt Menschen, deren Muttersprache Französisch ist, sich strukturell unterscheidet, wurde z.B. hier kritisch diskutiert. Ähnliches wurde auch in Bezug auf das Zeitensystem gesagt. Die Unterschiede in den Zeiten, wir haben das zum Beispiel hier diskutiert, lassen keine Rückschlüsse zu auf eine strukturell andere Wahrnehmung der Welt. Die Unterschiede ergeben sich aus dem unterschiedlichen morphologischen Material, das weitgehend zufällig ist.

2) Andere grammatikalische Probleme haben kaum eine Beziehung zur außersprachlichen Wirklichkeit, das ist zum Beispiel bei den inhaltlich schwach motivierten Präpositionen so. Im Prinzip ist es Jacke wie Hose, ob das Bild an der Wand hängt oder in der Wand, es könnte sogar auf der Wand hängen. Im Deutschen hängt ein Bild aber an der Wand, im Spanischen jedoch in der Wand. Bei solchen Phänomenen hat sich eine bestimmte Lösung "eingebürgert". "Willkürlichkeit" kann man immer dann konstatieren, wenn entweder gar keine Strukturierung der außersprachlichen Wirklichkeit vorliegt oder diese so komplex ist, dass sie nicht mehr strukturiert werden kann. In diesem Falle fehlt die außersprachliche Wirklichkeit als Kontrollinstanz, sie erzwingt sprachlich keine Konstrukte mehr, die die Strukturiertheit der außersprachlichen Wirklichkeit abbilden, was dann zur Folge hat, dass es zu starken Abweichungen zwischen der einen und der anderen Sprache kommt und es keine Regeln mehr gibt, wie das Konstrukt der einen Sprache regelbasiert in ein äquivalentes Konstrukt in der anderen Sprache überführt werden kann.

3) Dann gibt es noch den dritten Fall und diesen haben wir hier.

Im Gegensatz zum Deutschen, kennt das Spanische eine Vielzahl an Präpositionen, mit denen ein Infinitiv angeschlossen werden kann, aber im Grunde gibt es nur eine Beziehung zwischen dem konjugierten Verb und dem Infinitiv, die tatsächlich über eine spezifische Präposition ausgedrückt wird, nämlich Absicht.

a) Vino para comer.
Er kam um zu essen.
b) Le oigo hablar.
Ich höre ihn sprechen.
c) Olvidé de descirselo.
Ich habe vergessen es ihm zu sagen.
d) Viene a comer.
Er kommt zum Essen.

Ein inhaltliche Verbindung zwischen dem konjugierten Verb und dem Infinitiv besteht lediglich in a). Bei a) wird die Handlung des konjugierten Verbes durchgeführt, um die durch den Infinitiv beschriebene Handlung zu realisieren, ausgedrückt wird also Absicht. Das ist der einzige Fall, wo das Deutsche eine besondere Konstruktion kennt (um zu + Infinitiv). Alle anderen Verbindungen zwischen einem konjugierten Verb und einem Infinitiv werden entweder, wie im Fall b), völlig ohne Präposition angeschlossen oder mit "zu". Oberflächlich betrachtet hat so das Deutsche einen systematischeren Ansatz, der unter Umständen auch leichter zu erlernen ist, wenn man mit Deutsch als Fremdsprache konfrontiert ist. Allerdings zeigt die Praxis, dass dieser Ansatz immer wieder durchbrochen wird.

a) Olvidó de decirselo.
Er vergaß, es ihm zu sagen.
b) Se puso a trabajar.
Er machte sich an die Arbeit.
c) Me acordé de tener fotos con ese patito.
Ich erinnerte mich daran, Fotos von diesem Hinterhof zu haben.
d) Una rusa me enseño a escribir mi nombre en ruso.
Eine Russin lehrte mich, meinen Namen auf Russisch zu schreiben.
e) Finalmente logró a hacerlo.
Schließlich schaffte er es.
f) Finalmente logró a cruzar el puente.
Schließlich schaffte er es, die Brücke zu überqueren.

Die Konstruktion mit dem erweiterten Infinitiv, zu + Infinitiv, ist möglich bei a) / c) / d) / f). Nicht aber bei b) und e). Tatsächlich erlauben nur wenige Verben den Anschluss mit dem erweiterten Infinitiv mit zu. Von einigen Ausnahmen abgesehen sind es die Verben, die eine emotionale Sicht auf die Welt zum Ausdruck bringen (fürchten, hoffen etc.), Verben, die auch eine indirekte Rede einleiten können (behaupten, befehlen, klagen etc.), idiomatische Ausdrücke (es freut mich zu hören...) oder andere Verben der mentalen Durchdringung (denken, träumen etc.). Das Thema haben wir bereits einmal aus mehr "lerntechnischer Sicht" im der www.curso-de-aleman.de diskutiert: Infinitivo plus preposición. Dort finden sich auch weitere Verben / idiomatische Ausdrücke, die einen Infinitiv mit zu anschließen. Im Grunde hat weder das Spanische noch das Deutsche ein klares Schema bezüglich des Anschlusses eines Infinitivs. Unter Umständen ist die außersprachliche Wirklichkeit, die mit solchen Konstruktionen beschrieben wird, zu komplex, so dass keine klaren Strukturen vorhanden sind, die zu äquivalenten sprachlichen Konstrukten führen. Es gibt keine übergreifenden strukturellen Komponenten, jedes Verb muss isoliert betrachtet werden. Es gibt nicht mal Aspekte, unter denen alle Strukturen zu vergleichen sind. Im Deutschen haben wir im Grunde nur zwei Beziehungen zwischen dem finiten und dem infiniten Verb (Ich vergaß meinen Schlüssel <=> Ich vergaß, Kaffee zu kaufen; Er kam nach Madrid <=> Er kam um zu singen). Im Spanischen jedoch kann in Abhängigkeit von der Art des infiniten Verbs (infinitivo, gerundio oder participio perfecto) und in Abhängigkeit von der Präposition, die das finite und das infinite Verb verbindet, ein sehr weites Spektrum an Bedeutungen möglich sein, die sich teilweise auch noch in äußerst subtiler Art von möglichen Alternativen unterscheiden. Behaupten also "Sprachwissenschaftler", dass das Deutsche eine Präferenz für das "Adverbielle" habe, siehe oben, Gauger / Cartagena, dann ist das natürlich vollkommener Unsinn. Man kommt zu solch skurrilen Aussagen, wenn man von der inneren Dynamik einer Sprache abstrahiert. Es sind wohl zwei Entscheidungen, die die spanische Vielfalt an Verbalperiphrasen möglich machten und die sich so ergebenden Möglichkeiten, wurden dann auch tatsächlich ausgenutzt. Zum einen kann das Spanische schlicht an mehr Verben eine infinite Form anschließen, was, wie wir gesehen haben, ein Spektrum an Bedeutungsmöglichkeiten eröffnet und zudem kann es diese über Präpositionen anschließen, die wiederum eine inhaltliche Beziehung zwischen finitem Verb und infinitem Verb herstellen können. Die Verbalperiphrasen sind eine Teilmenge aus der Menge der Verben, die mit einer infiniten Verbform verbunden werden können. Das Spanische hat nicht nur mehr Verbalperiphrasen als andere Sprachen, sondern überhaupt mehr Verben, die eine infinite Verbform anschließen können, was dann wiederum eine Dynamik in Gang setzte. Die prinzipiell größeren Möglichkeiten finite und infinite Verbformen zu verbinden zusammen mit dem semantischen Gehalt der Präpositionen führte dazu, dass es im Spanischen mehr Verbalperiphrasen gibt als im Deutschen. Es ist weder eine strukturell oder anders pointierende sprachliche Verarbeitung der Welt noch eine "Präferenz" für das Adverbielle" des Deutschen, was diese unterschiedliche Entwicklung einleitete, sondern die innere Dynamik der Sprache selbst. Es ist sogar wahrscheinlich, dass das Spanische in Zukunft noch weitere Verbalperiphrasen kreieren wird, weil die prinzipielle Möglichkeit finite Verben über eine Präposition an ein infinites Verb anzuschließen mächtig ist.

Wir haben oben bereits Konstrukte aus finitem Verb + Präposition + infinitem Verb gesehen, die äußerst komplexe Situationen beschreiben, die wir jedoch mühelos verstehen.

Queda por hacer.

Die drei Wörter haben es, ungeachtet der Tatsache, dass wir sie mühelos verstehen, "in sich". Queda ist mit einem Passiv zu übersetzen, die Präposition por wird völlig atypisch verwendet, sowohl semantisch (eigentlich heißt por wegen) als auch syntaktisch, eine Präposition steht normalerweise vor einem Objekt. Und schließlich beinhalten die drei Wörter auch noch, dass ein Teilprojekt eines größeren Projektes noch zu erledigen ist (siehe oben 24.6.1.3.2). Deutsche würden hier ganz spontan und ohne lange zu überlegen, unter Umständen sogar ohne überhaupt in der Lage zu sein sich Rechenschaft darüber abzulegen, warum sie es tun, das Adverb noch einfügen (Das muss man noch machen). Es scheint also, ganz anders als Freud sich das vorstellte, nicht nur Emotionen zu geben, die unterhalb der Schwelle des Bewußtseins liegen, sondern auch ganz objektive Tatsachen, die unterhalb dieser Schwelle liegen; die das Gehirn erfasst, bevor der Sprecher bewusst die Unterschiede reflektiert. Die Ähnlichkeit in der sprachlichen Verarbeitung der Welt ist weit verblüffender, als die Unterschiede, die es ebenfalls gibt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Unterscheidung zwischen ser und estar, die im Übrigen im Italienischen, das über dieses Paar ebenfalls verfügt, stare und essere nicht gemacht wird.

Die Betrachtung der Sprache als etwas, was quasi ohne Urheber existiert, das Vorgehen der "Sprachwissenschaft" und die isolierte Darstellung einer Sprache in der Fremdsprachendidaktik ist nun aus mehreren Gründen heraus problematisch.

a) Diese Betrachtungsweise verbaut den Weg zum Verständnis kontrastiver Grammatiken, die didaktisch sinnvoller sind. Herkömmliche Grammatiken stellen Sprachen als isolierte Systeme dar, die sich von der Muttersprache fundamental unterscheiden. Wer sich länger mit den Grammatiken der infos24 beschäftigt, wird feststellen, dass es eine fundamental andere sprachliche Verarbeitung der Welt der einen Sprache im Verhältnis zur anderen Sprache eher selten ist. Meistens ist es die "innere Dynamik", also das morphologische Material, das zu den Unterschieden führt, aber nicht eine fundamental andere sprachliche Erfassung der Welt. Weiter kann man oft "kritische" Situationen basteln, wo beide Sprachen dann strukturell ähnlich sind, was das Verständnis erleichtert, ein Beispiel hierfür kann man hier betrachten. Kontrastive Grammatiken sind nur sinnvoll, wenn man davon ausgeht, dass es einen Faktor gibt, der die sprachliche Verarbeitung der Welt in ähnlicher Weise strukturiert. Es macht keinen Sinn zwei völlig arbiträre Systeme, etwas zwei Computersprachen wie C++ und APL miteinander zu vergleichen, da Gemeinsamkeiten, so vorhanden, rein zufällig wären und keinen Erkenntniswert hätten. Kontrastive Grammatiken machen nur Sinn, wenn man entweder davon ausgeht, dass sich die Welt sprachlich gar nicht anders darstellen lässt oder, wovon wir ausgehen, dass alle Gehirne dieser Welt die Welt auf gleiche Art verarbeiten und lediglich das morphologische Material unterschiedlich ist.

b) Die isolierte Betrachtung einer Einzelsprache führt zu höchst abstrakten Beschreibungen, die so langweilig wie didaktisch wertlos sind. Bemerkungen der Art, dass diese oder jene Sprache besonders "logisch" sei, die man alldauernd liest, z.B. ce qui n' est pas logique n' est pas français / was nicht logisch ist, ist nicht Französisch, sind das Resultat bzw. Ausdruck dieses Vorgehens. Sprache wird beschrieben als ein abstraktes Regelwerk, das quasi willkürlich gesetzt wird und weder vom Urheber dieses Regelwerkes, also dem Gehirn, noch von der Strukturiertheit der Realität determiniert ist. Es sei konzediert, das grammatikalische Regeln weder Fisch noch Fleisch sind. Als gesellschaftliches Phänomen sind sie Konventionen und damit überindividuell. Die überindividuellen Konventionen werden aber nur deswegen akzeptiert, weil menschliche Gehirne die Welt in gleicher Art sprachlich beschreiben. Sprachen sind nie "logisch", dies würde auch keinen Vorteil bringen. Sie sind bestenfalls regelorientiert. Wir konzedieren gerne, dass manche dieser Regeln, etwa die Deklination des Relativpronomens nach Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv nicht notwendigerweise erfolgen muss, im Deutschen wird sie vorgenommen, im Spanischen nicht, nicht inhaltlich motiviert sind, fragen uns aber, ob nicht Veränderungen an anderer Stelle diese divergierende Entwicklung ausgelöst haben. Die isolierte Betrachtung der Sprache ohne deren Urheber ist aber auch wissenschaftlich nicht besonders interessant. Man kann selbstverständlich zum Beispiel unglaublich viel Scharfsinn darauf verwenden, die Verbalperiphrase exakt zu definieren. Für die Soziologie, Psychologie, Medizin, Didaktik etc. wäre es aber weit interessanter zu wissen, wie der Urheber derselben tickt.

c) Man kann wohl konstatieren, dass Menschen automatisch Strukturen der Fremdsprachen mit den äquivalenten Strukturen in ihrer Muttersprache vergleichen, sehr häufig, indem sie mit grammatikalisch falschen aber didaktisch hilfreichen Hilsfübersetzungen arbeiten (Estoy trabajando <=> Ich bin arbeitend). Ein Trick, der übrigens auch nur funktioniert, weil sich die sprachliche Strukturierung der Welt ähnelt, auch wenn manche Optionen nicht umgesetzt werden. Anstatt also isoliert eine Sprache also vom Himmel gefallenes Konstrukt darzustellen, wäre ein kontrastiver Ansatz günstiger, die Leute machen das nämlich sowieso. Im Gegenzug kann man aber hieraus ersehen, dass auch die weit verbreitete These, dass eine Fremdsprache von vornherein in der Fremdsprache zu unterrichten ist, dieser Weg "natürlich" sei, weil so auch "Kinder eine Sprache lernen", auch nicht 100 prozentig richtig ist. Dieser Ansatz hat sicher seine Berechtigung, insbesondere wenn er mit einer starken emotionalen Involviertheit einhergeht, wie sie üblicherweise beim Fremdsprachenerwerb im Land vorhanden ist, aber man sollt ihn nicht als allein selig machende Methode hinstellen.