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Spanischer Satz |
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Me di cuenta de que se
trataba de un pensamiento de alegría,
de esperanza, pero comprendí también
que había muerto al nacer. |
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Deutscher Satz |
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Mir war
bewusst, dass es sich um einen Gedanken
der Freude handelte, der Hoffnung, aber mir
wurde auch klar, dass er schon von Geburt
an zum Tode verurteilt war. |
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Grammatik |
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"Unsere" Übersetzung
arbeitet mit einer Konstruktion, die den
Prozess des Wahrnehmens betont, die also
eigentlich mit einem Vorgangspassiv übersetzt
werden müsste, was allerdings im Deutschen
etwas schräg klingt.
Mir wurde bewusst,
dass es sich um einen Gedanken der Freude
handelte, der Hoffnung, aber mir wurde auch
klar, dass er schon von Geburt an zum Tode
verurteilt war.
Akzeptiert man, dass auf
den Moment der Bewußtwerdung abgestellt
wird, dann hat man auch keine Probleme das indefinido zu akzeptieren. Das ...Me
di cuenta... (Achtung! Das ist nicht wie
oben, das einleitende Verb ist hier eine
Vergangenheistzeit!) ist ein Verb der mentalen
Durchdringung das, bedingt durch die Gleichzeitigkeit
und in der Logik der consecutio temporum
auch das imperfecto ....que se trataba...
verlangt.
Hiervon ist allerdings die Frage
völlig unabhängig, ob wir in dem
...Me di cuenta.... nicht bereits eine Interpretation
des englischen Textes sehen müssen.
Der englische Orginalsatz lautet.
I felt
that it was of joy -- of hope; but I felt
also that it had perished in its formation.
In vain I struggled to perfect -- to regain
it. Long suffering had nearly annihilated
all my ordinary powers of mind.
Ich fühlte,
dass er von Freude handelte, von Hoffnung;
aber ich fühlte auch, dass er kaum entstanden
auch schon wieder verblasste. Mir wurde bewusst,
dass er von Freude handelte, von Hoffnung,
aber mir wurde auch bewusst, dass er
kaum entstanden auch schon wieder verblasste.
Wir mussten schon oft leidvoll erfahren,
dass das Verb sentir problematisch
ist, und auch hier haben wir offensichtlich
ein dickes Problem an der Backe.
Das erste
Problem besteht darin, dass ...sentir... auf
eine geistige Verarbeitung abstellen kann,
es kann aber auch auf eine emotionale Befindlichkeit
abstellen, und es kann auch zwischen geistiger
Verarbeitung und Befindlichkeit hin und her
oszillieren.
ok: Ich fühlte mich gut.
ok: Als er es sagte, fühlte ich, dass
er nicht die Wahrheit sagte.
ok: Als er es
sagte, wurde mir bewusst, dass er nicht
die Wahrheit sagte.
ok: Mir wurde bewusst,
dass die Berechnungen nicht stimmten.
nicht
ok: Ich fühlte, dass die Berechnungen
nicht stimmten.
Nur bei Prozessen, die eindeutig
auf das logisch, rationale Denken abzielen,
kann ...fühlen... nicht
durch ...bewusst werden... ersetzt
werden. Hier haben wir es mit einem Fall
zu tun, der zwischen geistig, logischer Verarbeitung
und Befindlichkeit oszilliert, und auch im
Spanischen kann hier ...darse
cuenta... durch ...sentir... ersetzt
werden. Und genau dies tut Julio Cortázar,
er übersetzt mit ...sentir... und
zwar im indefinido.
Sentí que era
de alegría,
de esperanza; pero sentí al mismo
tiempo que acababa de extinguirse en plena
elaboración.
Die Ambiguität von ...sentir, fühlen... ergibt sich durch
die Tatsache, dass bis auf wenige Ausnahmen,
mit der emotionalen Befindlichkeit eine Einschätzung der Lage einhergeht.
Fühlen als emotionale Befindlichkeit
ist ohne Denken kaum vorstellbar. Problematisch
hierbei ist, dass im Spanischen, selten aber
im Deutschen, sentir auch
verwendet wird bei rein physiologischen Prozessen,
die von jeder mentalen Tätigkeit völlig
unabhängig sind.
Sentía frio.
= Mir war kalt.
Sentía hambre. = Ich
hatte Hunger.
Sentía un gran cansancio.
= Ich war sehr müde.
Die Tatsache aber,
dass unsere Übersetzung mit ...darse
cuenta... konstruiert,
zeigt deutlich, dass wir es hier mit einem
Typ von ...sentir... zu
tun haben, bei dem die geistige Tätigkeit
Grundlage der emotionalen Befindlichkeit
ist. Wir haben bereits öfters erwähnt,
dass bei Verben geistiger Tätigkeit,
wie creer, parecer, sentir, pensar das indefinido
den Eintritt der Imagination kennzeichnet,
das imperfecto den andauernden Charakter
der Imagination unterstreicht. Interessant
ist nun, dass "unsere" Übersetzung auch
im zweiten Teil des Satzes ...felt... eindeutig als Verb der
mentalen Tatigkeit kennzeichnet,
... pero
comprendí también
während Julio Cortázar das zweideutige felt des
englischen Orginals wieder übernimmt.
... pero sentí al mismo tiempo.
Es
ist also leichter, das indefinido unter Heranziehung "unserer" Übersetzung
zu rechtfertigen. ....Me di cuenta.... und
...comprendí.... bezeichnen eindeutig
den Beginn der Imagination. Auch Julio Cortázar
ist der Meinung, dass der Beginn einer Imagination
gemeint ist und übersetzt folgerichtig
ebenfalls mit dem indefinido. Bei einem Verb
vom Typ sentir ist
aber die Notwendigkeit des indefinidos nicht
sofort ersichtlich, weil man sich ja bei
oberflächlicher Betrachtung auf den
Standpunkt stellen könnte, dass fühlen immer
ein andauerndes Ereignis ist.
Wir wollen
jetzt noch mal bei beiden Varianten prüfen,
ob das imperfecto möglich wäre.
Zuerst "unsere" Übersetzung im imperfecto.
Me daba cuenta de que se trataba de un pensamiento
de alegría, de esperanza, pero comprendía
también que había muerto al
nacer.
Dazu nun folgendes. Gibt man "se daba
cuenta" bei google ein, erhält man 4800
Treffer, gibt man "se dieron cuenta ein",
erhält man 49500 Treffer. Weiter wird
man feststellen, dass weit mehr als die Hälfte
aller Treffer von "se daban cuenta" verneint
sind. Etwas nicht bemerken kann tatsächlich
ein anhaltender Zustand sein.
No me daba
cuenta de lo que hacía.
No se daban
cuenta de que yo no estaba dentro.
Natürlich
kann ...darse
cuenta... auch
als anhaltender Prozess aufgefasst werden, allmählich
wurde ihm klar, was los ist, tatsächlich
geschieht dies aber eher selten.
Ähnlich
verhält es sich mit comprender.
Gibt man "comprendían que" bei google
ein (das que fügen wir ein, um nicht
die Sätze zu erwischen, wo comprender die
Bedeutung von umfassen hat,
weil in dieser Bedeutung natürlich das
imperfecto dominiert), erhält man 1680
Treffer. Gibt man "comprendieron que" ein,
erhält man 8760 Treffer. Die meisten
imperfectos sind auch hier wieder verneint,
denn das ...nicht
verstehen... ist
tatsächlich ein andauernder Vorgang.
No comprendían que estaba sucediendo.
Ellas no comprendían que Dios tiene
un propósito para nosotros incluso
en nuestras aflicciones.
Natürlich kann
der Prozess des Verstehens auch als anhaltender
Prozeß verstanden werden und das imperfecto
verwendet werden.
Así sucesivamente,
al décimo día todos comprendían
que había por lo menos 10 enfermos.
Insgesamt kann gesagt werden, dass bei Verben,
die eindeutig auf die mentale Durchdringung
eines Sachverhaltes abstellen, das indefinido
dominiert.
Schauen wir uns den Satz von Julio
Cortazar an. Kann hier auch das imperfecto
benutzt werden?
Sentía que era de
alegría, de esperanza; pero sentía
al mismo tiempo que acababa de extinguirse
en plena elaboración.
Hier wird es
auch für Muttersprachler schwierig.
Bietet man ihnen diese vier Sätze an,
entscheiden sie sich oft für eine höchst
merkwürdige Kombination.
a) Cuando me
lo dijo, me di cuenta que no decía
la verdad.
b) Cuando me lo dijo, me daba
cuenta que no decía la verdad.
c)
Cuando me lo dijo, sentí que no decía
la verdad.
d) Cuando me lo dijo, sentía
que no decía la verdad.
Viele entscheiden
sich nun für b) und d) als die richtige
Lösung, obwohl die Logik besagt, dass
a) und c) richtig sind. Das ist nicht nur
logisch, sondern entspricht auch "unseren" zwei Übersetzungen,
die ja beide die gleiche Zeit wählen,
aber unterschiedliche Verben verwenden. Tatsächlich
könnte hier auch das imperfecto gewählt
werden, da sich aus dem englischen Orginal
nicht entnehmen lässt, ob auf den
erstmaligen Eintritt der Imagination abgestellt
wird oder auf die Präsens der Imagination.
Es ist prinzipiell auch schwierig, Sätze
zu finden, wo es auf diese Unterscheidung
ankommt. Ist das Verb sentir involviert,
weicht "unsere" Übersetzung auffallend
oft von der Übersetzung Julio Cortázars
ab, so in den Sätzen 49 und 52. |
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Vokabeln |
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muerto = tot |
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nacer = geboren werden |
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