Spanisch lernen - Spanisch online Lehrbuch

Satz30
Übungen Level 4: Das Zeitensystem im Spanischen

  Grammatik Satz 31

Spanischer Satz  
  Quien no se haya desmayado nunca, no descubrirá extraños palacios y casas singularmente familiares entre las ardientes llamas; no será él que contemple, flotantes en el aire, las visiones melancólicas que el vulgo no puede vislumbrar, no será él que medite sobre el perfume de alguna flor desconocida, ni él que se perderá en el misterio de alguna melodía que nunca hubiese llamado su atención hasta entonces.

Deutscher Satz  
  Wer noch nie das Bewußtsein verloren hat, wird die fremdartigen Paläste und merkwürdig bekannten Häuser in den heißen Flammen nicht entdecken. Er wird es nicht sein, der die melancholischen Visionen sieht, die das gemeine Volk nie sieht, er wird es nicht sein, der über den Geruch einer unbekannten Blume sinnt, und er wird es auch nicht sein, der sich im Mysterium einer Melodie verliert, die bis dahin noch nie seine Aufmerksamkeit erregt hat.

Grammatik  
 

Bei dem pretérito perfecto de subjuntivo ...se haya desmayado... stellen sich zwei Fragen. Erstens, warum ist es überhaupt subjuntivo und zweitens, warum pretérito perfecto.

Man kann sich auch fragen, ob es einen Unterschied zwischen der Übersetzung von Julio Cortázar, ohne subjuntivo, und unserer Übersetzung gibt.

Julio Cortázar
Aquel que nunca se ha desmayado, no descubrirá extraños palacios y caras fantásticamente familiares en las brasas del carbón;

"Unsere" Übersetzung

Quien no se haya desmayado nunca, no descubrirá extraños palacios y casas singularmente familiares entre las ardientes llamas;

Bevor wir uns darüber Klarheit verschaffen, versuchen wir uns erstmal Klarheit darüber zu verschaffen, worin der Unterschied besteht zwischen aquel + indikativ und aquel + subjunctivo. Aquel kann mit indicativo stehen und mit subjuntivo und wir fragen uns

a1) Él que critica es aquel que nunca se ha visto en un espejo.
a2) El profesor reflexivo es aquél que se plantea cuestiones didácticas;
a3) Bosque primario: es aquel que nunca se ha eliminado, se encuentra en equilibrio o máxima expresión (clímax).
a4) Aquel que lo hizo, era un imbécil.

b1) Aquel que nunca se haya equivocado que me tire la primera piedra.
b2) La más sencilla, ideal para aquel que nunca se haya subido a un kayak, es la excursión de tres horas.
b3) Todo aquel que nunca se haya acercado a esta bebida espirituosa tiene ante sí la mejor manera de hacerlo.
b4) Aquel que lo haya hecho, sabe de que estoy hablando.

Vergleicht man die Sätze vom Typ a) mit denen vom Typ b) wird man feststellen, dass der indicativo dann steht, wenn es auf die Bezeichnung einer möglichen Nichtexistenz des durch aquel Referenzierten überhaupt nicht ankommt, weil man entweder weiß, dass das Referenzierte existiert oder weil es sich es um eine Definition handelt. Die a) Sätze sind entweder Definitionen oder das aquel verweist auf jemanden, der auf jeden Fall existiert. Anders ist das bei den b) Sätzen. Hier wird mit der Möglichkeit gerechnet, dass das durch das aquel Referenzierte überhaupt nicht existiert. Vergleichen wir aber die Sätze a1) und b1) miteinander, die eine fast identische Aussage machen, dann sehen wir, dass trotzdem in Satz 1a) der indicativo vewendet wird, in Satz b1) der subjuntivo. Diese Konstellation ist allerdings ein Spezialfall. Satz a1) ist eine schlichte Definition, Satz b1) lässt die Möglichketi der Nichtexistenz zu, aber wenn jemand existiert, der sich noch nie geirrt hat, dann soll er die angeführte Handlung ausführen. Die Tatsache allerdings, dass die Möglichkeit der Nichtexistenz zugelassen wird, erzwingt dann auch den subjuntivo im angeschlossenen Relativsatz. Man kann sich mit einer Hilfsübersetzung ins Deutsche klar machen, dass in diesem Spezialfall, und von diesem Typ ist auch unser Satz, es keinen Unterschied macht, ob mit dem indicativo oder mit dem subjuntivo konstruiert wird.

a) Wenn jemand frei von Sünde ist, dann soll er den ersten Stein werfen.
b) Der, der frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

a) kalkuliert mit der Möglichkeit, dass niemand frei von Sünde ist,
b) ist eine schlichte Definition, der Sinn beider Sätze ist aber identisch. Was uns natürlich verblüfft, ist die Tatsache, dass bei

a) der Konjunktiv nicht möglich ist, bei
b) der Konjunktiv stilistisch besser ist. Also genau umgekehrt wie im Spanischen. Aus dem ganzen kann geschlossen werden, dass sich zwischen "unserer" Übersetzung, die mit einem subjuntivo konstruiert und der Übersetzung von Julio Cortázar, die mit eine indicativo konstruiert, keine Sinnunterschiede ergeben.

Satz30