Spanisch lernen - Spanisch online Lehrbuch
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Kapitel 26.1.5 : Das schwach motivierte Reflexivpronomen


  26.1.5 Das schwach motivierte Reflexivpronomen


Reflexivpronomen werden im Spanischen sehr oft in einer Art verwendet, die im Deutschen zwar ebenfalls existiert, aber bei weitem nicht so häufig grammatikalisch möglich ist. Handelt es sich um Verben, die immer reflexiv verwendet werden (arrepentirse <=> bereuen), dann stellt sich das nicht als Problem dar, auch wenn das deutsche Pendant nicht reflexiv ist, denn die Verwechslung mit einem nicht reflexivem Pendant ist ausgeschlossen. Auch die pasiva refleja / si impersonal stellt kein Problem dar, auch wenn die Konstruktion im Deutschen nicht existiert, denn wie zu übersetzen ist, lässt sich regelhaft ableiten. Wird mit einem nicht reflexiven Reflexivpronomen ins Deutsche übersetzt (Se encuentra en Paris <=> Er befindet sich in Paris) dann wird es auch noch akzeptiert. Es ist dann eben in der einen Sprache so schwach motiviert wie in der anderen, das akzeptiert man ohne weiteres. Niemand hat auch ein größeres Problem, wenn sich die reflexive Form semantisch eindeutig von der nicht reflexiven Form unterscheidet (acordar <=> vereinbaren, acordarse <=> sich erinnern).

In der Regel wird einem das Problem mit den nicht reflexiven Reflexivpronomen zum ersten Mal bewusst, wenn man auf Ausdrücke wie comerse, beberse, irse, salirse etc. stößt, bei denen die nicht reflexiven Reflexivpronomen semantisch schwach motiviert sind und auch nicht grammatikalisch, also regelhaft, verstanden werden können. Diese Verben lernt man in der Regel als transitive Verben, also ohne Reflexivpronomen. Sie verwirren deswegen, weil der Unterschied zwischen dem Verb ohne Reflexivpronomen und der Alternative mit Reflexivpronomen sich nicht ohne weiteres erschließt. Oft hält man diese Art von Verben dann für etwas, was es nur im Spanischen gibt, was aber nicht zutrifft, wie wir nun schon oft gesehen haben. Spezifisch für das Spanische ist nur, dass es sehr viel mehr Verben gibt, die über ein Reflexivpronomen eine Nuance ausdrücken. Wir haben auch bereits gesehen, dass diese, wir wollen sie mal schwach motivierte Reflexivpronomen nennen, nur der in die Ohren und Augen stechende Teil eines komplexeren Problems sind. Schwach motiviert kann auch der dativus possessivus sein, der, im Gegensatz zum Reflexixpronomen im Dativ, ein "echter" Dativ ist (Le cortó el pelo a María <=> Sie hat ihr die Haare geschnitten). Im Grunde kann man den dativus possessivus auch als redundantes Pronomen betrachten (Kapitel 4.17), wenn der Dativ (a María) noch explizit genannt wird. In diesem Fall ist der Dativ auch expletiv. Wird das Dativobjekt aber nicht genannt, ist er nicht expletiv (Le cortó el pelo <=> Cortó el pelo), denn ein Weglassen würde dann zu einem Informationsverlust führen. Expletiv kann auch der ethische Dativ (Me lo leí <=> Lo leí) sein. Der Dativ kann weggelassen werden, ohne dass es zu einem Informationsverlust kommt. Da aber sowohl der dativus ethicus wie auch der dativus possessivus echte Dative sind, also auch in der dritten Person Singular / Plural (le / les) und regelhaft verstanden werden können, sind sie nicht Gegenstand dieses Abschnitts.

Wir kommen nun zu dem Teil, der diesem ganzen Kapitel den Namen gegeben hat, den nicht reflexiven Reflexivpronomen. Genau genommen zu den nicht reflexiven Reflexivpronomen, die obendrein auch noch schwach motiviert sind und grammatikalisch nicht notwendig. Den Ausdruck expletiv vermeiden wir, weil es zwischen semantisch / grammatikalisch unnötig und semantisch / grammatikalisch notwendig eine weit Spannbreite gibt, die mit schwach motiviert besser beschrieben wird, denn dieser Ausdruck lässt verschiedene Stufen zu. Wir können bei den schwach motivierten Reflexivpronomen zwischen Dativ und Akkusativ unterscheiden. Aber auch wenn wir von Dativ sprechen, sprechen wir von Reflexivpronomen, die also in der dritten Person Singular / Plural mit se gebildet werden und nicht mit le / les.

Im Grunde geht es also um folgende Problembereiche

   Beispiel
  1) Verben bei denen das Reflexivpronomen zu einer Bedeutungsnuance führt, die semantische Grundbedeutung aber erhalten bleibt.
  2) den reflexiven Dativ

 

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