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Vielleicht
ist es interessant und hilfreich mal darüber nachzudenken,
wie eigentlich das deutsche Zeitensystem funktioniert.
Im Deutschen haben wir drei Vergangenheitsformen:
| Imperfekt,
Perfekt und Plusquamperfekt |
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Imperfekt |
Perfekt
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Plusquamperfekt
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Ich schrieb
Du schriebst
Er schrieb
Wir schrieben
Ihr schriebt
Sie schrieben |
Ich habe geschrieben
Du hast geschrieben
Er hat geschrieben
Wir haben geschrieben
Ihr habt geschrieben
Sie haben geschrieben
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Ich hatte geschrieben
Du hattest geschrieben
Er hatte geschrieben
Wir hatten geschrieben
Ihr hattet geschrieben
Sie hatten geschrieben |
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Die spannende Frage ist nun: Was
ist der Unterschied zwischen diesen beiden Sätzen.
Ich schrieb einen Brief.
Ich habe einen Brief geschrieben.
Bei diesem Beispiel würden
die meisten Deutschen so richtig gar keinen Unterschied
erkennen. Nimmt man aber ein anderes Verb, dann finden
die meisten Deutschen, dass es einen Unterschied gibt.
Ich verlor meinen Geldbeutel.
Ich habe meinen Geldbeutel verloren.
Ich hatte meinen Geldbeutel verloren.
Hier würden die meisten Deutschen
sagen, dass im ersten Satz die Möglichkeit besteht,
dass der Geldbeutel wieder aufgetaucht ist, bzw.
es ist nicht klar, ob er nicht wieder da ist, da
die Handlung für die Gegenwart keine Relevanz
mehr besitzt. Im zweiten Satz ist es so, dass er
eindeutig weg ist und im dritten Falle ist er sogar
höchstwahrscheinlich
wieder aufgetaucht. Wir können daraus wohl folgende
Schlüsse ziehen. Erstens, die Sensibilität
der Deutschen für Zeiten ist nicht besonders
ausgeprägt.
Zweitens, man muss sich wohl schon geeignete Beispiele
ausdenken, um den Unterschied deutlich zu machen.
Ein weiteres hübsches Beispiel findet sich
im Duden. Wer morgens aus dem Fenster sieht und
feststellt, dass Schnee gefallen ist, der wird sagen:
Es hat geschneit!
und nicht Es
schneite!
Hieraus können wir auch
eine Regel ableiten. Ist eine Handlung, die in der Vergangenheit
vollzogen wurde für die Gegenwart relevant, dann
verwenden wir das Perfekt. Ist eine Handlung in der
Vergangenheit zwar vollzogen worden, aber für die
Gegenwart nicht mehr relevant, dann verwenden wir das
Imperfekt. Zumindest theoretisch und bei einer geschickten
Auswahl der Beispiele ist dies richtig. Vielleicht würde
aber eine präzise Feldforschung und die daraus
gewonnenen empirischen Daten ergeben, dass der Deutsche
zwischen Imperfekt und Perfekt überhaupt nicht
unterscheidet. Das ist im Spanischen radikal anders.
Zwischen dem "pretérito imperfecto",
dem "pretérito indefinido" und dem
"pretérito perfecto" wird klar unterschieden,
das heißt, dass der Spanier eine nicht adäquate
Verwendung einer Zeit als falsch empfindet, während
der Deutsche dies wohl nur in sehr krassen Fällen
tut. Da sich die Funktionen der Zeiten im Spanischen
und im Deutschen nicht entsprechen, kann man eigentlich
auch Imperfekt nicht mit "pretérito imperfecto"
oder Perfekt mit pretérito
perfecto übersetzen.
Gewöhnlich macht man dies aber trotzdem, weil es
praktisch ist.
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