Spanisch lernen - Spanisch online Lehrbuch

Satz31
Übungen Level 4: Das Zeitensystem im Spanischen

  Grammatik Satz 32

Spanischer Satz  
  Tuve momentos breves, brevísimos en que he llegado a condensar recuerdos que en épocas posteriores mi razón lúcida me ha afirmado no poder referirse sino a ese estado en que parece aniquilada la conciencia.

Deutscher Satz  
  Ich hatte kurze, sehr kurze Momente, in denen es mir gelang, Erinnerungen zu erhaschen, die meine klare Vernunft später nur als zu den Stadion zugehörig sehen konnte, in denen das Bewußtsein vernichtet schien.

Grammatik  
 

Wir lesen in allen Grammatiken, dass das indefinido des Verbes tener bekommen bedeutet, das imperfecto haben. Das ist zwar, exempla statut, nicht richtig falsch, es ist aber auch nicht richtig richtig. Das indefinido ...tuve... bereitet Schwierigkeiten. Tener gehört zu der Gruppen von Verben, wie auch creer, parecer, sentir etc. bei der das indefinido sowohl den Beginn der Tätigkeit kennzeichnet, eine punktuelle Handlung, wie auch die Abgeschlossenheit. Es stellt sich nun die Frage, welche Verwendung hier vorliegt? Die Antwort erschüttert uns, denn sie lautet weder noch. Es ist mit hatten zu übersetzen, dass das mit den Erklärungen in allen Grammatiken nicht übereinstimmt ist unerheblich. Das ...momentos... steht im Plural, das heißt, es handelt sich um aufeinanderfolgende Handlungen (wir werden den Unterschied zu sich wiederholenden Handlungen, die ja bekanntlich im imperfecto stehen, an späterer Stelle nochmal herausarbeiten.) Das heißt, dass wir es mit aufeinanderfolgenden Handlungen zu tun haben, wobei es egal ist, dass es immer wieder die gleichen Handlungen sind, die aufeinanderfolgen.

Leider ist das nicht unser einziges Problem, wir haben noch eines. Betrachten wir mal die zwei spanischen Übersetzungen und die englischen Orginalsätze. Wir werden gleich sehen, warum es Sinn macht, sich einen größeren Textabschnitt zu vergegenwärtigen.

"Unsere" Übersetzung
En medio de mis repetidos e insensatos esfuerzos, en medio de mi enérgica tenacidad en recoger algún vestigio de ese estado de vacío aparente en el que mi alma había caído, hubo instantes en que soñé triunfar. Tuve momentos breves, brevísimos en que he llegado a condensar recuerdos que en épocas posteriores mi razón lúcida me ha afirmado no poder referirse sino a ese estado en que parece aniquilada la conciencia. Muy confusamente me presentan esas sombras recuerdos de grandes figuras que me levantaban, transportándome silenciosamente hacia abajo, aún más hacia abajo, cada vez más abajo, hasta que me invadió un vértigo espantoso a la simple idea del infinito en descenso. También me recuerdan no sé qué vago espanto que experimentaba el corazón, precisamente a causa de la calma sobrenatural de ese corazón.

Halten wir einmal die Übersetzung Julio Cortázars dagegen.
Entre frecuentes y reflexivos esfuerzos para recordar, entre acendradas luchas para apresar algún vestigio de ese estado de aparente aniquilación en el cual se había hundido mi alma, ha habido momentos en que he vislumbrado el triunfo; breves, brevísimos períodos en que pude evocar recuerdos que, a la luz de mi lucidez posterior, sólo podían referirse a aquel momento de aparente inconsciencia. Esas sombras de recuerdo me muestran, borrosamente, altas siluetas que me alzaron y me llevaron en silencio, descendiendo... descendiendo... siempre descendiendo... hasta que un horrible mareo me oprimió a la sola idea de lo interminable de ese descenso. También evocan el vago horror que sentía mi corazón, precisamente a causa de la monstruosa calma que me invadía.

So richtig beantwortet das unsere Frage aber auch nicht, da das englische Orginal vollkommen anders konstruiert.

Amid frequent and thoughtful endeavours to remember , amid earnest struggles to regather some token of the state of seeming nothingness into which my soul had lapsed, there have been moments when I have dreamed of success; there have been brief, very brief periods when I have conjured up remembrances which the lucid reason of a later epoch assures me could have reference only to that condition of seeming unconsciousness. These shadows of memory tell indistinctly of tall figures that lifted and bore me in silence down -- down -- still down -- till a hideous dizziness oppressed me at the mere idea of the interminableness of the descent. They tell also of a vague horror at my heart on account of that heart's unnatural stillness.

Wir sehen also, dass hier die zwei spanischen Übersetzungen sich hinsichtlich des Zeitensystems erheblich unterscheiden und keine der zwei Übersetzungen mit dem englischen Orginal übereinstimmt.

  "Unsere" Übersetzung Julio Cortázar englisches Orginal
  hubo ha habido have been
  soñé he vislumbrado have dreamed
  Tuve   have been
  he llegado pude evocar have conjured
  ha afirmado podían referirse could have had
  presentan muestran tell
  levantaban alzaron lifted
  llevaron bore

Das englische Orginal hat nun einen Wechsel in der Perspektive, der Erzählzeitpunkt wird  in die Gegenwart verrückt, wird verlegt, da das present perfect eine Verbindung zur Gegenwart herstellt. Das Plusquamperfekt ...could have had... ist dazu vorzeitig, denn es gibt eine ...later epoch.... Mit dem Präsens ...tell... ist er dann endgültig in der Gegenwart angekommen, seine Erinnerungen der Gegenwart lassen vor seinem geistigen Auge die ...tall figures... auferstehen, die ihn in der Vergangenheit ...lifted... und ...bored haben. Der Leser wird nicht überzeugt sein von dieser Begründung. Er wird aber sofort einsehen, dass das Plusquamperfekt und das past perfect nicht stehen kann, wenn er diese beiden Versionen miteinander vergleich.

Version mit Imperfekt
Inmitten meines wiederholten Bemühens mich zu erinnern, inmitten der ernsten Kämpfe etwas von dem Zustand des offensichtlichen Nichts, in welchen mein Bewußtsein geglitten war, wieder zu erlangen, gab es Momente, wo ich an ein Gelingen glaubte, ich konnte Erinnerungen wachrufen, die mein klarer Verstand eines späteren Stadiums nur dem Zustand scheinbarer Bewußtlosigkeit zuordnen konnte. All diese Schatten der Erinnerung erzählen von großen Gestalten, die mich emporhoben und schweigend hinabtrugen, hinab, immer weiter hinab, bis allein schon die Idee des unendlichen Hinabgleitens ein furchtbares Schwindelgefühl in mir hervorrief. Sie erzählen auch von einem unbestimmten Ensetzen, von dem mein Herz bedingt durch seine unnatürliche Regunglosigkeit erfasst wurde. Dann der Eindruck, dass alles ins Stocken gerate, ganz so als ob die, die mich trugen (ein gespenstischer Zug), bei ihrem Hinabschreiten die Grenzen des Grenzenlosen überschritten hätten und nun ausruhten von der Mühsal ihrer Werkes. Dann erinnere ich mir an ein flaches Liegen und an einen Dunst. Dann der Wahnsinn -- der Wahnsinn der Erinnerung, die sich mit dem Unfaßbaren abmüht.

Version mit Plusquamperfekt
Inmitten meines wiederholten Bemühens mich zu erinnern, inmitten der ernsten Kämpfe etwas von dem Zustand des offensichtlichen Nichts, in welchen mein Bewußtsein geglitten war, wieder zu erlangen, hatte es Momente gegeben, wo ich an ein Gelingen  geglaubt hatte, ich hatte Erinnerungen wachrufen können, die mein klarer Verstand eines späteren Stadiums nur dem Zustand scheinbarer Bewußtlosigkeit hatte zuordnen können. All diese Schatten der Erinnerung hatten von großen Gestalten erzählt, die mich emporgehoben hatten und schweigend hinabgetragen hatten, hinab, immer weiter hinab, bis allein schon die Idee des unendlichen Hinabgleitens ein furchtbares Schwindelgefühl in mir hervorgerufen hatte. Sie erzählen auch von einem unbestimmten Ensetzen, von dem mein Herz bedingt durch seine unnatürliche Regunglosigkeit erfasst worden war. Dann der Eindruck, dass alles ins Stocken geraten wäre, ganz so als ob die, die mich getragen hätten (ein gespenstischer Zug), bei ihrem Hinabschreiten die Grenzen des Grenzenlosen überschritten hätten und nun ausgeruht hatten von der Mühsal ihrer Werkes. Dann erinnere ich mich an ein flaches Liegen und an einen Dunst. Dann der Wahnsinn -- der Wahnsinn der Erinnerung, die sich mit dem Unfaßbaren abgemüht hatte.

Noch eine Version mit dem Perfekt abzubilden können wir uns sparen, das Perfekt und das Imperfekt liegen im Deutschen zu dicht beienander, als dass uns das noch weitere Erkenntnisse liefern könnte. Wir werden noch Anlaß haben, über den Unterschied zwischen dem Plusquamperfekt und dem Imperfekt ausführlich zu diskutieren. Es gibt Fälle, wo das Imperfekt das Plusquamperfekt ersetzen kann, und es gibt Fälle, wo dies, soll der Sinn des Satzes erhalten bleiben, nicht möglich ist. Die Version mit Imperfekt unterscheidet sich von der Version mit Plusquamperfekt dadurch, dass bei letzterer der Erzählzeitpunkt in die Vergangenheit verlagert wird, was wiederum suggeriert, dass es danach noch Ereignisse gibt, für die diese Ereignisse in einer Vergangenheit relevant sind, etwa weil diese Ereignisse in einer Vergangenheit relativiert oder revidiert worden sind. Tatsächlich ist dem aber nicht so.

Bei den spanischen Versionen kann man sich die Unterschiede pretérito indefinido / pretérito perfecto einerseits durch das Bestreben Julio Cortázars dicht am englischen Orginal zu bleiben erklären. Andererseits kann man, wie oben breits bemerkt, einen engen oder weniger engen Bezug zur Gegenwart des Erzählers sehen. Wir sollten hier nicht weiter nach Begründungen suchen, warum die beiden Übersetzungen mit unterschiedlichen Zeiten arbeiten, zumal es auch nicht so ist, dass der eine durchgängig das indefenido, der andere durchgängig das pretérito perfecto verwendet. Beide vermischen diese Zeiten.

Auffallend ist noch die Stelle, wo "unsere" Übersetzung das pretérito perfecto verwendet, Julio Cortázar aber ein imperfecto.

Tuve momentos breves, brevísimos en que he llegado a condensar recuerdos que en épocas posteriores mi razón lúcida me ha afirmado no poder referirse sino a ese estado en que parece aniquilada la conciencia.

Breves, brevísimos períodos en que pude evocar recuerdos que, a la luz de mi lucidez posterior, sólo podían referirse a aquel momento de aparente inconsciencia.

Hier muss allerdings gesagt werden, dass die Konstruktion völlig unterschiedlich ist. Etwas bestätigen ist ein punktueller Prozeß, wohingegen sich auf etwas beziehen ein andauernder Prozeß ist, die unterschiedlichen Zeiten ergeben sich von daher aus der unterschiedlichen Übersetzung.

Im nächsten Satz konstruiert "unsere" Übersetzung mit dem imperfecto, während Julio Cortázar mit dem indefinido konstruiert.

Muy confusamente me presentan esas sombras recuerdos de grandes figuras que me levantaban, transportándome silenciosamente hacia abajo, aún más hacia abajo, cada vez más abajo, hasta que me invadió un vértigo espantoso a la simple idea del infinito en descenso.

Esas sombras de recuerdo me muestran, borrosamente, altas siluetas que me alzaron y me llevaron en silencio, descendiendo... descendiendo... siempre descendiendo... hasta que un horrible mareo me oprimió a la sola idea de lo interminable de ese descenso.

Julio Cortázar sieht das Hochheben und das anschließende hinab Tragen als zwei aufeinander folgende Vorgänge. "Unsere" Übersetzung sieht es als einen andauernden Vorgang.

Satz31